Liedermacher, Dichter, Nonkonformist

Selten wurde ein gescheiterte Existenz „verständnisvoller“, ein bekennender Dieb „sympathischer“, ein Selbstmörder „hilfloser“ und ein Stalker zutreffender beschrieben als auf der CD „Merkwürdige Zeiten“ des hessischen Liedermachers und Nonkonformisten Harald Pons.

Harald Pons hat seine musikalische Laufbahn als Sänger, Komponist und Texter schon in den 80er Jahren begonnen, und bereits 1984 seine erste Single veröffentlicht. Danach verfolgte er verschiedene musikalische Projekte – immer mit deutschen Texten, weil man „in der Sprache singen sollte, in der man träumt“, so der Sänger. Musikalisch bewegte er sich immer auf dem Grad zwischen Liedermacher,  Jazz und Folk, mit textlichen und musikalischen Einflüssen  von  Reinhard Mey, Achim Reichel, Heinz-Rudolf Kunze, Rich Schwab oder Ludwig Hirsch, mithin in einem breiten musikalischen und textlich engagierten Umfeld, aber eben anders

Im Rahmen seiner musikalischen Auszeit vor ein paar Jahren absolvierte Harald Pons ein Studium der Rechtswissenschaften und ist seitdem auch als Rechtsanwalt unterwegs, was viele Texte nachvollziehbarer macht. „Alles echt, alles selbst erlebt. Wenn Du als Anwalt tätig bist, brauchst Du keine Phantasie mehr, da bekommst Du die Ideen zu den Liedern und Texten auf einem silbernen Tablett präsentiert“, so Harald Pons, der sich für seine zweite Albumproduktion 2011 mit einer Vielzahl erstklassischer Musiker umgeben hat, die den Kompositionen viel Abwechslung und Tiefe verleihen. Tom Schlüter (HR-Jazzensemble, u.a. Pianist bei Jermaine Jackson, Chaka Khan, Robert Palmer) am Flügel, Claus Hessler (u.a. Mike Stern, Barbara Dennerlein) am Schlagzeug, Oliver Kraus an Gitarre, Banjo und Akkordeon sowie  Andreas Manns am Kontrabass sorgen für eine hochkarätige Produktion, die sich allein durch die Beteiligten von vergleichbaren Produktionen deutschsprachiger Sänger und Liedermacher abhebt.

Neben seinen jazzigen Momenten gibt es aber auch Anwandlungen in Richtung Mainstream. „Ich war sehr überrascht, wie gut mein Titel „Zurück zum Meer“ 2010 sich in der deutschen Radiolandschaft etablierte. Als Liedermacher ein völlig neues Gefühl, sich über viele Wochen in den Top50 der konservativen Airplaycharts zu bewegen. Das hat mich bestärkt, auch auf dem aktuellen Album Songs zu produzieren, die den Liedermacher in einem anderen musikalischen Umfeld zeigen“, so Harald Pons zu seiner ersten Single-Auskopplung „Frei wie der Wind (einfach unterwegs)“, übrigens von keinem geringeren als dem Frankfurter Produzenten Martin Haas gemischt (u.a. Xavier Naidoo, Sabrina Setlur, Glashaus).

2013 hat Harald Pons dann mit seiner Band „Harald Pons & Nah Dran“ die CD „Ganz nah Dran“ eingespielt, die den Livecharakter der Band wiedergibt. Hier spielt Harald Pons nicht nur Gitarre und irische Bouzouki, sondern neben Pons singen auch die weiteren Bandmitglieder Uli Schaub und Christoph Mann einige Titel der CD.

2016 kommt mit der neuen CD (Arbeitstitel: Reiseziel unbekannt) das insgesamt dritte Solowerk auf den Markt, bei dem Harald Pons wieder auf bewährte Musiker der Vergangenheit zurückgreift. Die insgesamt 16 Titel wurden arrangiert und aufgenommen von Oliver Kraus und gemixt von Stevie-B-Zet.

Zum wiederholten Mal gelingt es Harald Pons mit seinen Liedern dem Zuhörer einen neuen Blickwinkel auf Themen zu eröffnen, von denen jeder schon einmal gehört hat und die jeder kennt – aber eben nicht so. Wenn andere darüber nachdenken, wie man sich im Alter weiter selbstbestimmt organisiert, kommt hier der Vorschlag einer Reise nach Entenhausen. Auch die Frage, wie viele Zimmer man in seinem Leben eigentlich benötigt, muss man sich erst einmal stellen. Die Antwort kommt. Unbeantwortet allerdings bleibt die Frage, ob Charles Lindbergh den Atlantik tatsächlich alleine überflogen hat. Hier kann man nur Vermutungen anstellen.

Daneben singt Harald Pons von zahlreichen Frauengeschichten, einem Phantom namens Karla und warum es besser ist 2 und 2 zu addieren anstatt zu multiplizieren. Es kommt eben nicht immer nur auf das Ergebnis an. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind ebenso Thema – aber nicht so, sondern anders. Im Winter betrinkt man sich, im Frühling hat man Allergien und im Sommer Sonnenbrand – eben alles wie im wirklichen Leben.

Manche Themen bleiben erst, weil es eben ernst ist, So Harald Pons, der sich auch aktuell wieder mit dem Abgründen der menschlichen Natur beschäftigt, aber immer irgendwie mit einem Blick nach Entenhausen. Zur menschlichen Natur gehört es wohl auch, montags morgens mit dem festen Willen ins Büro zu gehen, alles hinzuschmeißen und endlich auszusteigen, bis sich am Freitagnachmittag wieder auf´s Wochenende freut. – So wird das nie was.

Was bleibt ist die Entscheidung: Australien oder wieder nur ein Nachmittag im Zoo.

Wenn nichts mehr geht kommt Emma, dann geht es wieder….

Live ist Harald Pons unterwegs mit Band, oder im Rahmen musikalischer Lesungen mit den beiden Autoren Anette Welp und Andreas Roß (näheres unter Konzerte)

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